Sauerländischer Gebirgs-Verein Abteilung Geseke 1926 e.V.
blickt zurück
auf 40 Jahre der traditionellen Herbstwanderungen nach Niedersfeld
Von: Johannes Rudolf

Bei einer
Tageswanderung im Hochsauerland im Sommer 1967 besuchten die
Wanderfreunde der SGV Abteilung Geseke das Ski- und Wanderheim des
Gesamt-SGV in Niedersfeld. Hier wurde der Gedanke geboren, im nächsten
Jahr eine Zweitageswanderung durchzuführen mit Übernachtung im
besagten Ski- und Wanderheim. Gesagt, getan: Am 3. Wochenende im
Oktober 1968 machten sich 15 Geseker Wanderfreunde auf den Weg ins
Hochsauerland. Die Pkws wurden in der Nähe von Brilon abgestellt, und
hier begann die ca. 28 km lange Wanderung nach Niedersfeld. Am Sonntag
ging es dann auf einer anderen ca. 24 km langen Wanderstrecke zurück
zu den geparkten Autos.
Da diese
Wanderung bei allen Wanderfreunden eine große Begeisterung auslöste,
wurde gleich für 1969 die nächste Zweitageswanderung geplant. Und so
ging es dann Jahr für Jahr an jedem 3. Wochenende im Oktober nach
Niedersfeld. Die Ausgangspunkte der Wanderungen wurden rund um
Niedersfeld festgelegt, so dass immer gute Tagesstrecken erwandert
werden konnten. Die Anfahrten mit Pkws waren von Geseke aus
dementsprechend mal sehr weit – aber auch kurz. So haben die Geseker
in den vier Jahrzehnten das „wanderbare“ Hochsauerland kennen und
lieben gelernt.
Die
Beteiligung an Wanderfreunden nahm ständig zu, im Durchschnitt der
Jahre kam man auf 30 Personen, Rekordbeteiligung war im Jahr 1977 mit
43 Wanderern. Das Wanderheim war ausgebucht, es mussten 8 Personen in
der Nachbarschaft untergebracht werden. Die hohe Beteiligung an
Wanderfreunden kam auch dadurch zustande, dass die Wanderung als
bezirksoffene Wanderung ausgeschrieben wurde. Viele Wanderfreunde von
den Nachbarabteilungen Bad Sassendorf, Büren, Lippstadt, Soest und
Belecke schlossen sich den Gesekern an.
Das Ski-
und Wanderheim war in den ersten Jahren sehr einfach für Wanderer
eingerichtet. Oben im Dachgeschoss gab es zwei große Schlafsäle mit
quietschenden Doppelbetten, Schlafsäcke mussten mitgebracht werden.
Die Waschräume und Toiletten waren drei Treppen tiefer im Keller. Da
der große Durst der Wanderer gestillt werden musste, gab es natürlich
nachts im Treppenhaus regen Gegenverkehr, die einen mussten runter,
die anderen wollten wieder rauf in ihre Betten. Offiziell war laut
Heimordnung 22 Uhr Bettruhe angeordnet. Die „Bar“ wurde geschlossen,
aber ein zünftiger Wanderer hat ja einen Rucksack, da ist immer noch
was zu finden. Und so gab es mal eine heikle Episode. Nachdem oben der
Lärm nicht verstummen wollte, kam die Hüttenwirtin lautstark
schimpfend nach oben, zwei starke Wanderfreunde wollten sie „Hochleben
lassen“, fassten sie und hoben sie mit einem kräftigen Ruck in die
Höhe – allerdings genau unter den Türpfosten. Totenstille, die Wirtin
war stumm vor Schmerz - die Wanderer vor Schreck! Am anderen Morgen
beim Frühstück war alles wieder vergessen.
Auch bei
den vielen interessanten Wanderungen gab es immer wieder schöne
Überraschungen. Als Wanderfreund Anton Ruhr nicht mehr mitwandern
konnte, ließ er sich immer etwas Besonderes einfallen. Einmal hat er
der gesamten Gruppe auf der Hochheide ein tolles Büfett
bereitgestellt. Ein anderes Mal überraschte er an der Ruhrquelle in
ähnlicher Form, ihm fiel immer etwas Tolles ein. Sein Rucksack war
stets eine wahre Fundgrube.
Auch gab
es einmal über den Treffpunkt verschiedene Meinungen. Dem betreffenden
Wanderfreund war telefonisch mitgeteilt worden: Treffpunkt ist an der
Kirche St. Michael in Petersborn; eine genaue Beschreibung – es gibt
dort zwei Kirchen – wollte der Wanderfreund gar nicht hören, die
brauche er nicht, er kenne sich ja gut aus, war die Antwort. Und es
kam, wie es kommen musste: der Wanderfreund stand prompt an der
falschen Kirche und hatte so die Wanderung verpasst.
Auch das
Wetter soll hier kurz geschildert werden. Alle Varianten haben die
Wandersleut in den vielen Jahren genossen oder ertragen -
Bilderbuchwetter oder Regen an beiden Tagen. Ein Jahr waren bunte
Herbstwälder über Nacht mit Schnee überzuckert, ein selten schöner
Anblick bei strahlendem Sonnenschein. Die Temperaturen waren im tiefen
Keller, einige Wanderfreunde haben ihre Schlafanzüge zu wärmendem
„Drunter“ umfunktioniert.
Und so
verging Wanderjahr um Wanderjahr. In den Jahren 1989, 1990 und 1992
mussten die Wanderer auf den „Emmerweg“ ausweichen, da das Wanderheim
in Niedersfeld verkauft werden sollte und Umbauten bzw.
Renovierungsarbeiten anstanden. Der Vollständigkeit halber sei
erwähnt, im Oktober 1991 folgten die Geseker einer Einladung von
Wanderfreunden aus Rudolstadt/Thüringen zu einer deutsch – deutschen
Wanderung auf einem Teilstück des Rennsteigs.
In den
zwei darauf folgenden Jahren ging es wieder immer am 3. Wochenende
nach Niedersfeld, von Anfang an – also seit 1968 unter der bewährten
Wanderführung von dem damaligen Vorsitzenden Johannes Rudolf.
Ab 1995
wurde dann die Zweitageswanderung durch die Wochenwanderung (6 Tage)
abgelöst und auf Anfang Oktober vorverlegt, da jetzt der 3. Oktober
ein Feiertag ist. Unter Führung von Anton Hoinkhaus wurde das
Hochsauerland mit vielen neuen Wanderfreunden erwandert –
Standquartier war immer das alte Wanderheim Niedersfeld, das unter
„Waldhaus Hochsauerland“ von den neuen Eigentümern Hildegard und
Wilhelm Rosenstengel fortgeführt wird. 1998 wurde von den Eheleuten
Rosenstengel im Beisein der Geseker Wanderfreunde ein Zimmer auf den
Namen „Geseke“ getauft. Ein schönes Namensschild an der Tür und
mehrere Bilder von der Stadt Geseke zieren das Zimmer. Und heuer
werden zur Jubiläumswanderung unter der Führung von Wanderfreund
Johannes Unterhalt wieder interessante Wandertage im herrlichen
Sauerland angeboten.
Diese
immer sehr interessanten und lehrreichen Wanderungen nach Niedersfeld
der letzten vier Jahrzehnte waren stets eine Bereicherung des
Wanderjahres der SGV-Abt. Geseke.
Frisch
auf!
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